Die Mistel

Jeder, der Asterix kennt, weiß vom Druiden Miraculix, wie man eine Mistel erntet. Mit einer goldenen Sichel von hohen Bäumen von denen man schnell stürzen kann.

Mistel gelten als DIE Zauberpflanzen der alten Druiden.   Plinius der Ältere schreibt über sie: „…sollte die Bewunderung, welche man in ganz Gallien dem Mistelzweige

Web Mistel-Apfel_250entgegenbringt, nicht übersehen werden. Die Druiden achten nichts heiliger als die Mistel .Sie glauben nämlich, was auf diesen Bäumen wächst, sei vom Himmel gesandt und ein Zeichen, dass der Baum vom Gotte selbst erwählt sei. Die Mistel ist sehr selten anzutreffen, wird sie aber gefunden, dann pflückt man sie mit aller Feierlichkeit.“

Mistelernte war –  und ist – eine heilige Handlung. Traditionell gingen Priester und Priesterinnen gemeinsam Misteln ernten. Die Männer schneiden sie – und die Frauen fangen sie auf, damit sie die Erde nicht berühren. Sie sollten,  um ihre Wirkkraft nicht zu verlieren, nicht von Menschlicher Hand gebrochen werden, nur mit Edelmetall geschnitten und den Boden nicht berühren.

Da die Blätter der Mistel nicht zur Erde fallen, ging man davon aus, dass sie sich bei Fallsucht (Epilepsie) bewährt.  Hildegard von Bingen schätzte Mistelsud gegen erfrorene Gliedmassen und Pfarrer Sebastian Kneipp setzte die Mistel zum Blutstillen ein. In der Volksmedizin wird der Mistel blutdrucksenkende Wirkung zugeschrieben. Auch in der modernen Medizin wird diese Pflanze eingesetzt, als sanftes immunstärkendes Mittel in der Krebsheilkunde.

Auch in der griechischen Mythologie wurden sie erwähnt. Die goldene Zauberrute des Äneas öffnet ihm die Tore in die Unterwelt  und selbst Merkur nutzte einen Mistelzweig zum Öffnen der Tore des Hades, wenn er die Toten führte.

In der nordischen Mythologie verwendete der listige Gott Loki einen Mistelpfeil, um Baldur zu töten. Seine Mutter, die Göttin Frigga hatte alle Wesen – so auch allen Pflanzen, die auf der Erde wachsen, mit einem Bann belegt: Keine konnte ihren Sohn Baldur töten. Doch sie hatte auf die Mistel vergessen, die ja nicht auf der Erde, sondern auf Bäumen wächst. Und so starb Baldur, der Lichtgott zur Sommersonnenwende durch einen Mistelpfeil – als Symbol dafür, dass im Jahreskreis das Sonnenlicht immer schwächer wird.

Und gerade, wo die Tage kurz und die Nächte lang sind, die Natur wie tot erscheint, leuchtet die Mistel immergrün aus den kahlen Baumkronen und zeigt sich uns in ihrer ganzen Kraft.